Vom Schmuckplatz zum Gemeindefriedhof
1881 legte die Gemeinde Friedenau ihren Friedhof auf dem früheren Hamburger Platz an. Der Platz gehörte zu der von Johann Anton Wilhelm von Carstenn geplanten städtebaulichen Figur und war ursprünglich als Schmuckplatz gedacht. Die Friedhofsnutzung galt zunächst als vorläufig – doch die angekündigte Umwandlung in eine Grünanlage fand nie statt.
Mit dem Wachstum Friedenaus wurde das Gelände 1894, zwischen 1904 und 1910 sowie 1912 erweitert. Eine verputzte Mauer fasste die Anlage ein. Das hohe dreiteilige Portal an der Stubenrauchstraße entstand um 1912 und schließt die zentrale Ost-West-Achse bis heute ab.
Kapelle und Wegeordnung
W. Spieß errichtete 1888/89 die Kapelle am westlichen Ende der Hauptachse. Der dreijochige Backsteinbau greift gotische Formen auf; ein vorspringender Spitzbogen und Terrakottaschmuck prägen den Eingang. Zwischen 1913 und 1917 wurde der Bau instand gesetzt und verändert.
Lindenreihen entlang der Wege, alte Buchen und Eichen sowie geschnittene Hecken strukturieren die Grabfelder. Mehrere spätere Schließungs- und Umgestaltungspläne wurden nicht umgesetzt. Dadurch blieb die räumliche Entwicklung von der Gründung bis etwa 1920 besonders gut lesbar.
Das außergewöhnliche Kolumbarium
Die Urnenhalle entstand 1914–1916. Der Denkmaleintrag führt Hans Altmann als Entwurfsverfasser; in der baugeschichtlichen Darstellung wird zugleich eine Zuschreibung an M. Scherler unter dem Einfluss Altmanns erwähnt. Diese unterschiedliche Überlieferung gehört zur Geschichte des Baus und wird nicht auf einen einzigen Namen verkürzt.
Ein zweigeschossiger Rundbau mit Kuppel verbindet asymmetrische Flügel und offene Arkaden. Auf Unter- und Erdgeschoss liegen jeweils acht Nischenkammern; die runde Halle selbst war ein Versammlungsraum. Ein Phönix über Flammen und das „Auge Gottes“ schmücken den Eingang. Die Anlage gilt als ungewöhnliches Beispiel sepulkraler Architektur in Berlin.
Kriegsgedenken und Grabkunst
Nördlich der Kapelle steht das Ehrenmal für die Toten des Ersten Weltkriegs: Eine achteckige Muschelkalksäule trägt die Darstellung eines sterbenden Soldaten. Nahe dem Hauptportal liegen die Gräberfelder für Opfer des Zweiten Weltkriegs mit Rasen, Birken und flachen Terrakottaplatten.
Zu den herausragenden Grabdenkmalen gehören Ferruccio Busonis Monument mit Georg Kolbes Bronzefigur „Genius“, das Jugendstilgrab Hirt mit einem Engel aus Carrara-Marmor und das Grabmal Prowe mit einer Skulptur von Valentino Casal. Das älteste erhaltene Grab wird der Familie Roenneberg aus dem Jahr 1888 zugeschrieben.
Die Nähe zur früheren Künstlerkolonie Wilmersdorf trug zum Ruf als Künstlerfriedhof bei. Der Rundgang verbindet die wichtigsten Bau- und Erinnerungsorte; Bedeutende Grabstätten führt zu acht präzise kartierten Persönlichkeiten.